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Ich liebte eine Bestie
Die Frauen der Serienmörder
Stephan Harbort
Im Vordergrund des Buches stehen diesmal weder die Täter noch die direkten Opfer von Serienmördern sondern Menschen, an die man sicher nur selten denkt, wenn man von schweren Verbrechen hört. Der Täter wird (bestenfalls) irgendwann inhaftiert und verurteilt, das Opfer ist tot, der Fall damit scheinbar erledigt. Zurück bleiben Angehörige, Partnerinnen und Ehefrauen der Täter. Ratlos, unschuldig, mitschuldig, vollkommen unwissend oder auch schon lange etwas ahnend und dennoch schweigend. Und manchmal auch selbst aktiv am brutalen Geschehen beteiligt.
Sie geraten ins Abseits. Auch sie sind Opfer - der Umstände, ihres eigenen Verhaltens und das ihres Partners. Doch sie können sich nirgendwo offenbaren und dieses Opfersein für sich beanspruchen. Sie müssen schweigen und sich zurückziehen, wollen sie nicht ins Fadenkreuz der Selbstgerechten geraten, die ja schon immer etwas ahnten und nun nicht mit Vorwürfen geizen. Doch ist es immer so einfach wie es von außen aussieht?
Harbort zeichnet Beziehungsverläufe nach von Menschen, die Stück für Stück in den unguten Sog von Abhängigkeit, enttäuschter Liebe und Hoffnung hineingeraten und dennoch nicht erkennen, welchem Abgrund sie sich unaufhaltsam nähern. Er spricht mit einer Mutter, die auch nach dem Geständnis brutalster Verbrechen ihres Sohnes noch die Kraft hat, ihm zu schreiben, sie wolle ihn nicht ganz verlieren. Partnerinnen, die angesichts eindeutiger Geständnisse noch wegsehen, schweigen und ausblenden können. Er hat sich mit Familienangehörigen und Partnerinnen von Serientätern unterhalten, die zum Teil unvorstellbar grausame Verbrechen verübt haben, die den Beobachter nur ratlos zurücklassen.
Was von außen so einfach und klar zu sein scheint, bekommt hier eine Dimension, die erahnen lässt, wozu familiäre und Liebesbindungen führen können, was Menschen mitzumachen oder auch selbst aktiv zu tun bereit sind, um eine Beziehung zu bewahren, was sie zu übersehen oder gar zu tolerieren vermögen, um eine einmal errichtete Fassade aufrechtzuerhalten. Frei nach dem Motto: Lieber so einen Mann als gar keinen Mann. Beziehungen, in denen von Anfang bis Ende vor allem eines herrscht: Sprachlosigkeit, Hilflosigkeit, Ausweglosigkeit.
Harbort glänzt auch diesmal mit Fall- und Tatbeschreibungen, die Gänsehaut verursachen. Seine punktgenaue und treffsichere Beschreibung lässt den Leser tief ins Geschehen eintauchen und mitfühlen, aber auch darüber nachdenken, was man selbst (nicht) tun würde, wenn man einen schrecklichen Verdacht gegen den eigenen Partner hegen würde.
Wieder einmal ein sehr spannendes Buch, das einen Aspekt von Serienmorden beleuchtet, der meist übersehen wird. Und ein erschreckendes Lehrstück menschlicher Beziehungen, Abhängigkeiten und wechselseitiger Manipulationen.
Prädikat: Unbedingt lesenswert!
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© Buchbesprechung 2009 Claudia Leweke
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Wenn Frauen morden
Spektakuläre Fälle - vom Gattenmord bis zur Serientötung
Stephan Harbort
In diesem Buch beleuchtet Stephan Harbort die weibliche Seite des Mordens. Ja, es gibt sie, Frauen, die nicht nur einmal sondern in Serie töten. Aber so "gleichberechtigt" dies auf den ersten Blick auch anmuten mag - der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Serienmördern könnte nicht größer sein, die Motive unterscheiden sich grundlegend.
Während Männer überwiegend morden, um zu unterdrücken, zu beherrschen und Macht zu demonstrieren, morden Frauen zumeist, um sich genau von solcher (auch nur subjektiv erlebter) Unterdrückung, Beherrschung und Machtausübung anderer zu befreien oder um unerträglich gewordene Probleme zu lösen. Warum sie dazu die Methode des Mordens wählen und sich nicht anders zu helfen wissen, lässt sich wohl nur im Einzelfall beurteilen und bewerten. Jedenfalls ist die errungene Befreiung nach der Tat nur eine scheinbare und das Morden wiederholt sich nach einmal überwundener Tötungshemmung nur allzu schnell wieder und wieder. Was einmal funktioniert hat, könnte schließlich auch wieder klappen... Eine "Problemlösungsstrategie", die bei Frauen auch oft wesentlich länger verborgen bleibt als bei Männern.
Zum Glück sind weibliche Täter gegenüber den Fällen männlicher Serienmörder noch immer stark in der Minderheit, was aber kein Grund zum Aufatmen ist, denn ihre Taten sind umso grausamer und schwerer zu ertragen, wenn sie sich gegen die eigenen Kinder richten oder im Falle von Patiententötungen reihenweise gegen hilflose kranke und alte Menschen, die scheinbar "erlöst" werden sollen.
In diesem Buch werden sehr verschiedenartige Fälle beschrieben, die auch in einer ARD-Serie im Oktober 2008 aufgegriffen werden. Einmal mehr ein spannender Beitrag zum Thema Serienmord, seiner Ursachen und Hintergründe.
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Begegnung mit dem Serienmörder
Jetzt sprechen die Opfer
Stephan Harbort
Er hat es wieder getan!
Stephan Harbort wird mittlerweile zum Serientäter, was das Schreiben von Büchern angeht. Doch noch immer haben seine Bücher etwas Faszinierendes, Eindringliches, dem man sich kaum entziehen kann, das man nicht verpassen möchte.
Ich hatte die Gelegenheit, das aktuelle Buch während der Entstehungsphase zu lesen und einmal mehr schaffte es Harbort, mich in den grausamen Sog hineinzuziehen. Der Text fesselte bis zum Schluss und büßte auch nach mehrmaligem Lesen nichts von seiner Spannung ein, denn bei Harbort geht es nicht um Fiktion, um Geschichten und Plots - er berichtet von der grausamen Wirklichkeit und versucht zu ergründen, ob es einen roten Faden gibt, etwas, womit man erklären kann, was eigentlich fassungslos macht und sich jedem Verständnis entzieht.
Dieses Buch ist wirklich nichts für zarte Gemüter und dunkle Gewitternächte. Noch deutlicher als in seinen bisherigen Büchern kommt in diesem Werk ans Tageslicht, um was es geht: Gewalt, Angst, Tod.
Dabei bin ich kein Freund von reißerischen Thrillern. Entsprechende Filme im Fernsehen klicke ich schnell weg, wenn sie überwiegend auf lautstarken Effekten basieren.
Was dieses Buch zu etwas besonderem macht, das man nicht verpassen sollte: Endlich einmal kommt die andere Seite zu Wort. Berichte über die Täter gibt es zahlreich, über die Mörder erfahren wir sehr viel. Auch Stephan Harbort hat schon einige sehr lesenswerte Bücher zum Thema veröffentlicht. Aber was ist eigentlich mit den Opfern?
Zahlreiche Fragen drängen sich da auf:
Wer wird zum Opfer?
Kann man (meist wohl eher frau) sich schützen?
Kann man noch etwas tun, sich retten, wenn man sich bereits in der Gewalt eines Killers befindet?
Was haben die Frauen getan, denen es geglückt ist, zu überleben?
Was haben die Frauen getan, die es nicht schafften?
Ein Patentrezept hat auch Harbort nicht an der Hand. Es gibt keine Gebrauchsanleitung für Serienkiller - genausowenig wie für jeden anderen Menschen. Jeder Täter und jedes Opfer ist unterschiedlich und die Interaktion zwischen den beiden Individuen bringt noch einmal eine Fülle an Möglichkeiten hervor. In jedem Einzelfall kann man nur ausloten, was am erfolgversprechendsten scheint. Mit ebensovielen Möglichkeiten richtig zu liegen wie sich zu täuschen.
Die Interwiews mit den Opfern, die die Angriffe von Serienmördern überlebt haben, teilweise abwechselnd mit denen der Täter, haben eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Beklemmend werden Situationen beschrieben, die ausweglos zu sein scheinen. Aber sind sie tatsächlich hoffnungslos? Harbort sagt nein und nennt dafür auch Beweise, nämlich überlebende Opfer. Welchen stärkeren Beweis kann es geben?
Dies ist ein Buch, das einem die Angst nicht nehmen kann, aber dennoch deutlich macht: Etwas bleibt immer noch zu tun, es zumindest zu versuchen, wo keine andere Wahl zu bleiben scheint...
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© Buchbesprechung 2008 Claudia Leweke
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Es geschah nebenan
Die unfassbaren Verbrechen einer Mutter
Joyce Egginton
Klappentext:
In vierzehn Jahren wird Marybeth Tinning neunmal Mutter. Doch ihre Kinder sterben früh - alle neun, eins nach dem anderen. Niemand vermutet etwas Böses, weder die Freunde noch die Nachbarn, weder die Polizei noch die Sozialarbeiter. Aber schließlich kommt die unbegreifliche Wahrheit über die grausige Todesserie ans Licht.
Mit großem psychologischem Einfühlungsvermögen nähert sich Joyce Egginton in ihrem mitreißenden Tatsachenbricht an die schwer zu fassende Persönlichkeit einer Frau an, die ihre eigenen Kinder tötete. Hinter der Fassade der fürsorglichen, liebevollen Mutter offenbaren sich menschliche Abgründe, die die Grenzen unserer Vorstellungskraft sprengen ...
Meine Meinung zu dem Buch:
Ein Buch, dass ich vor kurzem zum zweiten und sicher nicht letzten Mal gelesen habe und wieder einmal nur schwer zur Seite legen konnte.
Ein sehr beklemmender Bericht über eine Mutter, die alle ihre Kinder umbringt, eins nach dem anderen - sowohl die acht leiblichen als auch ein adoptiertes Kind.
Das eigentlich Beklemmende an dem Tatsachenbericht sind allerdings weniger die neun Kindermorde, sondern dass ihr nicht alle Taten gerichtsverwertbar nachgewiesen werden konnten.
Ein jeder, der sie kannte, hat irgendetwas mitbekommen, einen Teil, oder auch etwas mehr, aber keiner traute so recht dem, was er wahrnahm. Ärzte in den Kliniken, in denen die Kinder zum Teil notfallmäßig eingeliefert wurden, suchten nach einer seltenen Erbkrankheit, auch bis zum Schluss, als es eigentlich kaum noch einen Zweifel an der wahren Todesursache der Kinder geben konnte.
Freunde und Verwandte haben - meist anonym - bei den Sozialbehörden angerufen. Jedoch betraf dies immer nur einen, höchstens zwei Todesfälle, denn Marybeth Tinning wechselte ihren Freundeskreis häufig, indem sie - innerhalb derselben Stadt - umzog.
Nicht alle Kinder wurden obduziert - und wenn, dann an verschiedenen Stellen, die sich nicht miteinander in Verbindung setzten oder schlicht nichts von den alten Fällen wussten. Es gab viel Gerede, nichts davon führte zu einem Ziel. Marybeth Tinning gebar weiterhin ein Kind nach dem anderen und je mehr Zeit verging, umso kürzer wurde die jeweilige Lebensdauer der Kinder.
Verurteilt wurde sie letzten Endes nur wegen des Todes ihres letzten, des 9. Kindes Tami Lynne - und wäre dies nicht geschehen, wäre sie wohl wieder und wieder und wieder schwanger geworden ...
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© Buchbesprechung 2007 Claudia Leweke
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Das Serienmörder-Prinzip
Stephan Harbort
Das aktuelle Buch von Stephan Harbort. Spannend und eindringlich wie gewohnt beschreibt der Kriminalist den Werdegang von Serienmördern nach dem von ihm erstellten ›Serienmörder-Prinzip‹, einem 7-stufigen Modell vom 1. Schlüsselerlebnis des Täters bis zum bitteren Ende - dem/den Mord/en. Hierzu hat er viele Serienmörder interviewt und bezieht seine Informationen aus erster Hand.
Ein Buch, das keiner verpassen sollte, der das Thema Serienmorde ernsthaft verstehen will. Wobei Verständnis nicht mit Entschuldigung für die Täter gleichzusetzen ist! Es geht um das Verstehen und Prävention - denn die ist möglich, wenn man nicht wegsieht.
Gespannt sein darf man bereits jetzt auf seine nachfolgenden Bücher, die das Thema konsequent weiter beleuchten - aus anderen Blickwinkeln.
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© Buchbesprechung 2006 Claudia Leweke
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Das Hannibal-Syndrom
Mörderisches Profil
Ich musste sie kaputt machen
Stephan Harbort
Hollywood und einschlägige sensationslüsterne Zeitungen sind die eine Sache, aber wer ernsthaft verstehen will, warum Menschen zu Mördern und Serienmördern werden und was sie antreibt, der kommt um diese Bücher nicht herum. Stephan Harbort, von Beruf Kriminalbeamter, schafft es, dieses schwierige Thema sachlich und ohne überflüssiges Pathos verständlich zu machen.
Dabei geht es gewiss nicht darum, die Opfer zu vergessen und die Täter zu schonen. Es geht um das Verstehen ihrer Beweggründe und Motive. Und es geht um die Frage, was mit ihnen in Zukunft geschehen soll. Denn es sind keine abstrakten ›Monster‹, es sind Menschen, die in dieser Gesellschaft so geworden sind, wie sie sind, was oft genug vor ihrer Tat niemanden interessiert hat. Diese Menschen leben mitten unter uns, was die Presse messerscharf immer erst dann feststellt, wenn es - für die Opfer - längst zu spät ist.
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© Buchbesprechung 2005 Claudia Leweke
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Sexualmörder
Schlaf gut, mein Schatz
Andreas Marneros
Zwei sensible Themen: Sexualmörder und Eltern, die ihre eigenen Kinder töten. Andreas Marneros, Professor für klinische Psychiatrie, schafft es, die Themen näherzubrigen - so nahe man sie auch immer an sich heranlassen möchte.
Auch hier geht es nicht um Entschuldigungen für die Täter und auch nicht um das Vergessen oder Verdrängen der Opfer, es geht um Verständnis, um Verstehen. Wer nicht nur die hysterischen Berichte aus der Presse lesen, sondern sich einmal tiefer mit den Beweggründen solcher Menschen befassen möchte, der ist mit diesen beiden Büchern gut beraten. In zahlreichen Fallbeispielen wird deutlich, dass hier keine ›Monster‹ am Werk waren sondern eben Menschen.
Ein schwerer Stoff, der aber auch für Laien gut und nachvollziehbar erklärt wird.
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© Buchbesprechung 2005 Claudia Leweke
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Im Rücken steckt das Messer
Hans Bankl
Dieses Buch enthält zahlreiche Berichte aus der Gerichtsmedizin. Auch einige Fälle bekannter Toter werden hier für Laien verständlich erläutert. Trotz des ernsten Themas kann man aber auch an der einen oder anderen Stelle mit einem Schmunzeln weiterlesen.
Hans Bankl räumt auf mit so einigen Irrtümern über den sogenannten perfekten Mord. Den scheint es eher selten zu geben, folgerichtig kommt er zu dem Resümee: »Ob es einen perfekten Mord gibt, ist fraglich, dass es häufig eine defekte Totenbeschau gibt, ist sicher.«
Wenn man - natürlich rein theoretisch :-) - wissen will, wie man es am besten (nicht) anstellt, sollte man dieses Buch unbedingt vorher lesen.
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© Buchbesprechung 2005 Claudia Leweke
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